Familienforschung | Ins Land einihören Folge 22

Shownotes

Folge 22 von „Ins Land einihören“. Moderator Dénes Széchényi im Gespräch mit Gertraud Zeindl, der Leiterin des Tiroler Landesarchivs. Zeindl ist promovierte Historikerin, ihr Lieblingsstück im Tiroler Landesarchiv ist eine prachtvolle Papsturkunde aus dem Mittelalter.

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00:00:04: Ins Land eine hören.

00:00:05: Das ist der Podcast des Landes Tirol, heute moderiert von Dänisch-Sägenich.

00:00:11: Im Tiroler Landesarchiv liegt die Geschichte Tirols seit dem elften Jahrhundert.

00:00:17: Es ist das Gedächtnis des Landes.

00:00:19: es zählt heute zu einem der größten Archiven Österreichs.

00:00:22: Grundstock ist das Archiv der mittelalterlichen Tiroller Landesfürsten und daher weit über die heutigen Grenzen hinweg von überregionaler Bedeutung.

00:00:33: Im Archiv finden sich neben Schriftstücken von Ämtern, Dienststellen und Behörden auch private Dokumente und Nachlässe.

00:00:40: Der Bestand wächst ständig – es ist auch das Archiv der Tiroler Landesverwaltung, der Bezirkshauptmannschaften und für die Justiz im Bundesland Tirol.

00:00:49: Jede Tirolerin und jeder Tiroller kann kommen und zum Beispiel nach seinen Ahnen forschen!

00:00:56: Mein heutiger Gast ist Gerhard Seindl.

00:00:58: Sie ist Leiterin des Tjola Landesarchivs, sie sind achtundvierzig Jahre jung aufgewachsen in Delfz und sie haben in Innsbruck Geschichte- und Kunstgeschichte studiert.

00:01:11: seit ersten Juli zwei tausend sechsundzwanzig also relativ seit kurzen.

00:01:17: Sind sie als erste Frau LeiterInn des Landesarchives herzlich willkommen!

00:01:23: Danke schön.

00:01:24: Sie haben wir erwähnt in Innsbruck studiert und in ihrer Doktorarbeit haben sie über Meran geschrieben.

00:01:32: Warum nicht Innsbrück?

00:01:33: Was ja auf der Hand liegen würde, warum Meran?

00:01:36: Ja ist eine gute Frage!

00:01:37: Ich hätte gerne über Innsbuck geschrieben weil ich damals auch im Stadtarchiv Innsburg gearbeitet habe und das natürlich sehr angenehm gewesen wäre auch das Archiv dort benutzen zu können allerdings eben in Innesbruck sind die Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg dazwischengekommen.

00:01:53: Die haben sehr viele mittelalterliche Quellen zerstört und da war es der Neue liegend, ich wollte eben im Mittelalter schreiben und Meran hat einen ganz tollen Stadtarchiv Ja, da würden wir uns in Innsbruck sehr darüber freuen.

00:02:10: Das

00:02:10: heißt die in Innesbruck sind einfach unwiderruflich verloren?

00:02:13: Vieles

00:02:13: ja vieles also.

00:02:14: sie sind bei den Urkunden an die Tausend Urkunde zerstört und vor allem natürlich auch bei dem Verwaltungsmaterialien weil ich habe eine Sozialstudie geschrieben mich mit der Steuer über hundert Jahre in Meran beschäftigt.

00:02:26: es wäre natürlich auch für Innsburg interessant aber es war wirklich sehr interessant im Meran und das war natürlich auch ein sehr netter Aufenthalte dort.

00:02:35: Sie haben sich spezialisiert aus Mittelalter.

00:02:37: Was fasziniert sie denn so in der Zeit zwischen Fünfhundert und Fünfzehnhundert nach Christus?

00:02:45: Ja, also... Ich habe jetzt fast ein bisschen mit dieser Frage gerechnet, deswegen bin ich auch wirklich in mich gegangen.

00:02:53: Weil wenn man Geschichte studiert, dann hört man sehr häufig, mich haben vor allem die Ägypter interessiert und das ist so ganz

00:03:00: häufig...

00:03:01: Es ändert sich dann während des Studiums.

00:03:03: aber bei mir war es wirklich das Mittelalter weil es einerseits ist es tausend bis fünfhundert Jahre her also sehr lange her.

00:03:11: Das Leben war so ganz anders als bei uns.

00:03:14: Und trotzdem sind sehr viele Strukturen und eben auch sehr viele gesellschaftliche Sachen, die aufs Mittelalter zurückgehen.

00:03:21: Die dort entstanden sind?

00:03:22: Ja, das sind Wischwungen.

00:03:24: Und das macht es einfach so interessant!

00:03:26: Ja, alleine wenn man jetzt durch die Stadt Innsbruck geht begegnet ein in der Altstadt.

00:03:31: Die ganze Struktur ist aus dem Mittelalter – die Laubengänge, die Architektur aber eben auch Begrifflichkeiten oder eben auch Festlichkeiten.

00:03:40: Das geht einfach vieles auf dieses Mittelalter zurück und das macht es eigentlich so spannend weil man einfach Entwicklungen darstellen kann bis heute.

00:03:50: nach dem Studium fast nahtlos in die Geschichtsforschung übergegangen haben, aber kurz nach dem studium ich sage deshalb nahtlose einen Ausflug in den Journalismus gemacht.

00:04:02: Das stimmt genau gut recherchiert.

00:04:06: es ist so dass ich eigentlich Geschichte Kunstgeschichte ausgewählt habe weil ich in den journalismus wollte.

00:04:12: Ich wollte den Kulturjournalismus.

00:04:14: Ja, ich habe gern geschrieben und mich gerne mit verschiedenen Sachen auseinander gesetzt und vor allem im Kulturbereich.

00:04:21: Und habe natürlich dann auch während meines Studiums bei diversen Medien mitgearbeitet und schlussendlich beim ORF die Chance bekommen zu arbeiten.

00:04:30: Da

00:04:30: in Innsbruck?

00:04:32: Genau!

00:04:33: Dann war es eine Bewerbungsphase in Wien wo sie mir dann schlossendlich die Redaktion angeboten haben und da habe ich mir dann gedacht, na also für das habe ich nicht die Kunstgeschichte studiert.

00:04:46: Das

00:04:46: hat nichts mehr mit Geschichte auch wirklich im weiten Sinne zu tun.

00:04:50: Und es war wirklich auch so dass man sich natürlich im Journalismus aber das Wissen sie natürlich nie so lange mit dem Thema beschäftigen kann wie ich's gern getan hätte.

00:04:58: ja das war eine Erkenntnis

00:05:00: Das war ein recht kurzes Intermezzo beim ORF und dann sind sie gleich ins Innsbrucker Stadtarchiv.

00:05:05: Und haben dann dreizehn Jahre lang dort tätig im Innsbocker Stadtarchifparallel dazu an der Uni Innsburg auch gelehrt und geforscht, aber dann ist das Landesarchiv gekommen und hat sich ganz klassisch abgeworben.

00:05:21: Ja, das war wirklich so.

00:05:23: Es ist eben mein Vorgänger Dr.

00:05:26: Heidacher der damals dann Archivdirektor geworden ist und es wurde eine Stelle frei und da wurde ich dann auch gefragt ob ich Interesse hätte zum Land Tirol und ines Landesarchiv zu wechseln Und das war natürlich eine einmalige Chance.

00:05:41: Ich habe sehr gerne im Stadtarchiv Innsbruck gearbeitet, aber das Landesarchiv ist natürlich schon ein anderes Kaliber als drittgrößtes Archiv in Österreich

00:05:49: und die... Sie sind also größten?

00:05:50: Ja genau!

00:05:50: Es ist wirklich einfach mit allem hat man da zu tun und es ist auch ein sehr aufgeräumtes Archif.

00:05:58: So, jetzt nichts dazu.

00:06:00: Im Vorspann habe ich es erwähnt das Landesarchiv wächst weil ja ständig neue Dokumente, neue Aufzeichnungen kommen zu ihnen kommen und sie müssen sich dann archivieren allerdings von den unterschiedlichsten Behörden auch.

00:06:14: aber es wird nicht alles archiviert sondern nur dass was Archivwürdig ist Was heißt denn das?

00:06:23: Archivwürdig ist, dass wir Dokumente aufbewahren die für die Gesellschaft, für die Geschichte und für die Forschung relevant sind.

00:06:34: Und natürlich haben wir rechtliche Grundlagen an denen wir uns auch halten müssen aber auch nicht alles neu erfinden.

00:06:43: Wir haben historische Bestände und wir sind ja im Verwaltungsarchiv, können natürlich auch da aufbauen.

00:06:49: was wurde schon aufbewahrt und wo bestehen Lücken die wir eben auch hier stopfen müssen?

00:06:55: aber es ist natürlich so wie können nicht alles aufbewahren?

00:06:58: vieles ergibt sich selbst.

00:07:01: ich denke gerade die Buchhaltung ist schon sehr relevant jetzt für die Zukunft weniger aussagekräftig.

00:07:09: brechen wir es einmal auf dem privaten Bereich herunter.

00:07:13: Was ist denn privat archivwürdig für mich jetzt als Bürger?

00:07:19: Was sollte ich denn eigentlich archivieren?

00:07:21: und es wird nicht der Einkaufssetel vom Donnerstag sein!

00:07:25: Das stimmt wahrscheinlich nicht.

00:07:28: Aber das ist auch naheliegend, man bewahrt es auf was man rechtlich nachweisen muss.

00:07:34: Das sind natürlich Urkunden und Besitzansprüche.

00:07:37: Und natürlich einfach was einem wichtig erscheint für die eigene Geschichte Wichtig erscheint.

00:07:43: Und im Endeffekt, wenn man das runterbricht ist es sehr ähnlich zu dem was wir auch machen.

00:07:48: Aber es ist natürlich auch so Das möchte ich auch vorweg nehmen Im Tiroler Landesarchiv.

00:07:53: Wir sind ein Verwaltungsarchiv.

00:07:54: Es kommen sehr viele Personen zu uns und wünschen sich hier bei uns Über ihre eigene Person über die Familie Das Buch zu finden.

00:08:02: wo alles drinnen steht Das haben wir leider nicht.

00:08:04: Das gibt's

00:08:04: nicht.

00:08:07: aber Sie haben erwähnt Bücher das ist zumindest der Haupt Bestand einmal.

00:08:11: Es gibt natürlich die Archivierung digital, es gibt natürlich auch KI, die mittlerweile unterstützend ist.

00:08:19: Trotzdem ist Papier, das haptische Papier immer noch das beste Speichermedian und das langlebigste.

00:08:27: Warum ist das so?

00:08:29: Ja also ganz stehen lassen kann ich nicht.

00:08:32: Das kommt auf die Art des Papiers drauf an.

00:08:35: Klar, Bergament – das wissen wir von den Urkunden her.

00:08:39: Das erhaltet sich sehr gut!

00:08:40: Das ist einfach diese Tierhaut, die sich sehr Gut erhält.

00:08:43: Das Papier, das bis ins XIX-Tierhundert hergestellt wurde, der sogenannte Harrenpapier, hält sich wirklich sehr gut.

00:08:51: das moderne Papier oder das industrielle Papier, das vor allem im neunzehnten Jahrhundert.

00:08:55: Das ist leider nicht, es ist aus Holzschlief, da hat man dann auch säuerhaltige Mittel dazugegeben.

00:09:00: und das sieht man auch oft wenn man modernere Akten aus den nineteen sechziger Jahren anschaut.

00:09:05: die haben dann so eine gelbe vergilbte Farbe.

00:09:08: Es ist ein Abbau des Papiers.

00:09:10: Wenn man sich dagegen ein mittelalterliches Papier der Neuzeit heranzieht, schaut er mal schon viel weißer aus, das greift sich ja schon viel besser und haptisch besser an.

00:09:20: die Zusammensetzung und wirklich auch in der Behandlung, in der Restaurierung ist einfach dieses alte Papier viel leichter zum Handhaben als das moderne.

00:09:30: Und auch fürs Digitale?

00:09:33: Die digitalen Akten sind eine eigene Herausforderung, weil da haben wir es dann schon mit früher zu tun.

00:09:39: Wenn Sie an Daten aus den Neunzelneinzigerjahren denken, die kann man fast nicht mehr öffnen.

00:09:44: Da ist natürlich auch der Aufwand schon sehr groß das zu bewahren.

00:09:49: Wenn man jetzt ans Papier denkt, da müssen wir ans Klima denken und darauf achten dass... kein Feuer ausbricht, dass kein Wasser einbricht.

00:09:56: Bei die digitalen Daten ist es so, dass wir schauen müssen, dass die Formatierungen, das die Formate lesbar bleiben, dass es eben formatiert wird regelmäßig, also diese digitale Daten im Fluss bleiben aber sie dürfen nicht verändert werden dabei.

00:10:12: Das ist sicher eine große Herausforderung mit den wir uns als Archive international auseinandersetzen

00:10:18: müssen.

00:10:19: Weil im digitalen Bereich auch zumindest Programmes geschrieben worden sind die man heute nicht mehr lesen kann.

00:10:25: Genau,

00:10:26: aber natürlich einfach Bescheide nur mehr digital vorhanden sind.

00:10:29: Da habe ich kein Papier original mehr und muss natürlich auch rechtlich dafür so getragen dass der Bescheid auch aus den Neunzelneinziger Jahren heute noch nachvollziehbar ist.

00:10:39: Und wenn ich da nicht schaue das diese Formatierung ständig stattfinden ohne dass dieses Dokument allerdings verfälscht also die Authentizität behält.

00:10:48: Das ist wirklich ein großer Herausforderung.

00:10:51: Und da sind sie mittlerweile ja auch viel damit beschäftigt.

00:10:54: Genau, da braucht man spezielle Softwaren.

00:10:58: also es ist nicht so das mit der Digitalisierung unsere Arbeit weniger wird.

00:11:02: die Werkzeuge sind anders die Arbeit bleibt eigentlich die gleiche Das muss man sagen.

00:11:07: Schriften lesen viele Tirolerinnen und Tirol haben noch Dokumente von ihren Großeltern, Urgras Eltern die in der sogenannten Quärentschrift das glaube ich kennt fast jeder noch geschrieben sind.

00:11:18: Es ist für mich zum Beispiel schon eine Schrift wo ich mich sehr, sehr hart war, sie zu lesen.

00:11:25: Für Sie selber ist es Erleichtigkeit, Sie sagen, Sie können jede Schrift lesen auch wenn's irgendwie ein holpriges Altsdeutsch aus dem Mittelalter is'.

00:11:35: Also... Es ist natürlich um so individueller die Schrift, umso schwieriger ist es.

00:11:40: aber es ist natürlich etwas was wir im Archiv sehr gerne machen und mal.

00:11:47: Wir haben natürlich wahnsinnig viel Übung.

00:11:49: Wenn man das tagtäglich macht, kriegt man sehr viel Übung und man kriegt sehr viele Erfahrungen einerseits um eben auch altdeutsche Sprache zu verstehen und natürlich die Schriften zu lesen.

00:12:00: Und für mich persönlich ist es doch dann immer auch wieder mal spannend so richtig unleserliches Dokument vor sich zu haben und das dann schlussendlich lesen zu können genau und zu wissen.

00:12:10: aber Es macht eben viel übung.

00:12:12: Das sieht man bei uns im Lesesaal Die Benutzerinnen und Benutze ohne Grundwissen zu uns kommen und vielleicht auch auf der Hemmnis haben.

00:12:21: Wir unterstützen sie am Anfang, aber mit der Übung kommen die rein und lesen dann und erklären uns oft Sachen.

00:12:28: Weil Sie einfach in diesem Spezialgebiet, wo Sie sich beschäftigen, dann oft wirklich Expertinnen und Experten werden?

00:12:33: Das wissen wir ja.

00:12:34: Absolut!

00:12:36: Der Grundbestand des Tiroler Lannis Archivs geht zurück bis ins Mittelalter.

00:12:41: Kaiser Maximilian haben wir das zu verdanken.

00:12:43: War er schon so weitblickend?

00:12:46: Ja, er war in dem Fall sehr weitblickend aber vor allem auf seine Finanzen blickend weil er natürlich seine Herrschaft und schon auch behaupten wollte.

00:12:55: Und vor allem wie man wissen immer wieder Finanzprobleme gehabt hat und da war es ihm natürlich wichtig seine Finansen in Ordnung zu halten und vor allem jene Rechte die er besessen hat auch einfordern zu können ist er natürlich auch draufgekommen, dass es wichtig ist.

00:13:10: Er hat wahnsinnig viele Dokumente.

00:13:13: Das ist wichtig, das zu ordnen und dass wenn ich dieses Dokument brauche, es auch finde.

00:13:18: Und da hat Maximilian wirklich auch hier veranlasst vor allem in Innsbruck einerseits, dass sehr viele Dokmente nach Innsbrück kommen sind aus dem deutschen Reich aber eben auch aus den anderen habsburgerischen Gebieten und dann hier eben auch eine Ordnung angestrebt hat, dass es auch feuersicher aufbewahrt wird.

00:13:39: Und vor allem sein Nachfolger dann hat eben auch wirklich ein schriftliches Findmittel erstellen lassen.

00:13:45: Das genau das ist, wenn ich weiß, ich bekomme von diesem Grundstück Zinsen, dass sich das nachweisen kann und das Dokument sofort zur Hand

00:13:53: habe.".

00:13:54: Und im Endeffekt machen wir ja nichts anderes heute.

00:13:59: Wir können nicht nur bewahren, sondern müssen es natürlich auch irgendwie wieder auffindbar machen.

00:14:03: und das ist dann wirklich ... Und

00:14:04: dokumentieren?

00:14:05: Genau, und was

00:14:06: beweisen können, das ist meins.

00:14:10: Eines der ältesten komplett erhaltenen Dokumente.

00:14:12: Es gibt ein paar Fragmente die noch älter sind aber das Komplette Erhaltendste ist aus dem Jahre Tausendundvier.

00:14:21: Und dieses Dokument, so unscheinbar es ist.

00:14:24: Es ist wunderschön also zum Ansehen und zum Angreifen auch.

00:14:28: Das ist das Bergament.

00:14:30: Dieses Stück ist bis in die späten siebziger Jahre hat es in Jugoslawien auch sehr schwer beschäftigt.

00:14:40: Was steht denn da drin?

00:14:41: In diesem Dokument aus dem Jahr Tausendunvier?

00:14:44: Es geht darum, dass der König Heinrich II.

00:14:47: es ist wirklich eine Kaiserurkunde.

00:14:48: deswegen ist sie auch sehr schön so wie Sie sagen sehr groß großes Bergament, großes Siedel dran und der Königeinrichter II verfügt hier das es eine Schenkung an die bischöfliche Kirche in Seben gegeben hat.

00:15:02: Und zwar geht's ... Seben in Südtirol

00:15:06: und hier geht es um ein Grundstück wo da im Gut in Feldes damals kreien heute Blät, der Bledersee kennt man glaube ich in Slowenien und um dieses Gut geht es.

00:15:18: Und diese Urkunde ist natürlich dann dort in das bischöfliche Stiftsarchiv übernommen worden.

00:15:24: Dann mit der Säkularisierung, die nach Innsbruck gekommen ist.

00:15:30: Von Innsburg ist sie dann mit der Bayerischen Herrschaft nach München.

00:15:34: Nachdem Tirol wieder an Österreich zurückgelangt ist nach Wien Von Wien dann nach Leibach, weil es ja um Blät gegangen ist und um dieses Gut.

00:15:44: Und schlussendlich ist es dann wieder nach Prixen, nach Blät, nach Leiberch und dann wirklich, aus dem Sechsundneinzig noch ins Burg.

00:15:54: Streit um diese Urkunde?

00:15:55: Absolut.

00:15:57: Es war dann nach dem Ersten Weltkrieg natürlich so, dass es ja um ein Grundstück gegangen ist in Slowenien was damals zu Jugoslawien gehört hat und natürlich dann Jugoslaven hier einen Anspruch auf dieses Urkundenhomad.

00:16:09: Und dieses hin- und herr hat sich wirklich wie sie genau richtig gesagt haben bis in die neunzehntiesiger Jahre erstreckt.

00:16:14: aber der älteste Urkunder im Tiroler Raum ist nach wie vor in Innsbruck.

00:16:20: Also die ist jetzt wieder hier und kann auch natürlich von jedem und jeden Besucher, der sie sehen möchte.

00:16:27: Auch genau ganz nah unter die Lupe genommen werden ohne weiße Handschuhe.

00:16:34: Das ist anscheinend ein Klischee weil man sieht ja in vielen Dokumentationen wo dann mit weißem Handschuhn diese Urkunden da ganz vorsichtig angefasst werden.

00:16:42: Ist das ein Klichee?

00:16:44: Es gibt ja schon moderne Ansätze, dass man wirklich auch sagt, diese Handschuhe ... Gerade mit Umgang mit alten Dokumenten viele mechanische Schäden hervorrufen.

00:16:55: Können Sie sich vorstellen, wenn ich mit weißer Handschuhe ein Papier aus dem neunzehnten Jahrhundert umblättere?

00:17:00: Dann verursache ich oft an Riss!

00:17:02: Wenn ich hier keine Handschuher trage ist es oft zogsamer weil ich einfach haptisch viel besser umgehen kann damit.

00:17:08: und wichtig ist natürlich auch bei uns im Archiv dass man saubere Hände hat.

00:17:13: aber die Handschuhen ziehen wir wirklich nur an wenn der ORF zum Beispiel kommt weil gewisse Klischees müssen auch erfüllt werden.

00:17:20: Ja, es ist vorbei bei Fotos.

00:17:23: Da gebe ich zu da müssen wir wirklich Baumwollhandschuhe tragen weil Foto ist eben auch wieder so ein sehr neu zeitliches Produkt wo eine chemische Reaktion alleine durch das Fett was die Hand hat schon ausgelöst werden kann.

00:17:36: und da sind Handschuhe wichtig.

00:17:38: Das Landesarchiv ist öffentlich zugänglich also es kann jeder hinein.

00:17:42: aber sie machen nicht nur Informationen, was bei uns zu finden ist.

00:17:48: Sondern sie machen auch Themen Schwerpunkte.

00:17:51: wenn zum Beispiel das Konklave im Mai twenty-fünfundzwanzig stattgefunden hat da haben Sie ja kleine Veranstaltung gemacht so quasi was hat das Tiroler Landesarchiv zum Thema Konklave?

00:18:04: Genau!

00:18:06: Das ist sehr häufig so dass wenn gesellschaftlich ein Thema aufbob dass dann oft die Anfrage an uns kommt, egal ob Schulklassen oder von der Universität von Studenten.

00:18:16: Ob man nicht irgendwas eine Archivführung anbieten könnten.

00:18:19: zu diesem Thema und das war damals wirklich spannend weil das Thema ist zu mir gekommen und mit Babsturkunden habe ich mich jetzt im Tiroler Landesarchiv eigentlich noch nicht auseinander gesetzt gehabt.

00:18:31: Und es gibt welche?

00:18:32: Es

00:18:32: gibt welche!

00:18:33: Viele sogar, ich bin nicht drauf gekommen und da ist auch wirklich ein Lieblingsstück von mir dabei.

00:18:38: Und zwar eine Urkunde vom vierzehn-achtundsechzig von Babs Paul den zweiten Der eigentlich inhaltlich ist sie jetzt gar nicht so interessant, da verfügt er halt dem Herzog Sigmund Roth da an.

00:18:51: Dass wenn er sich nicht mit den verfeinderten Schweizern da aufhört zu verbünden oder sie zu unterstützen eher wirklich exkommuniziert wird und das Land unter Interdikt kommt... Also es war damals schon schwerwiegend!

00:19:03: Aber natürlich jetzt ist sie inhaltig nicht mehr so relevant aber sie ist in der Aufmachung.

00:19:09: Da hängt das bäbstliche Bleißiegel dran an einer Hampfschnur.

00:19:13: die ganze Urkunde ist an den Rändern eingeschnitten, weil die war wirklich so zum Falten dass man diese Hampfschnur wie einen Verschluss eingefädelt hat.

00:19:21: So das wirklich.

00:19:22: der Babst hat die aufgegeben und aus der Herzung siegen und aufgemacht.

00:19:26: Und dieses Siegel vom Babs ist wirklich seit dem Mittelalter bis heute immer selber also gleich aufgebaut.

00:19:33: Es steht immer auf einer Seite der Barbstnahme mit der Ordnungszahl und auf der Rückseite ist Petrus und Paulus mit zwei Köpfen dargestellt, aber dieser Baul, der zweite war einer der seine bäbstliche Herrschaft darstellen wollte – das hat er auch in dem Siegel gemacht – indem er sich drohend als Barbst darstellt, links- und rechtszwei Kardinele unter ihm das gläubige Volk, also absolute Machtdemonstration.

00:19:57: Auf der Rückseits wird natürlich Petrus weil es geht ja nicht, der Babst drohnt und dann die großen Apostel nicht drohnen.

00:20:06: Das würde jetzt nicht gehen.

00:20:08: Aber solche Veranstaltungen machen Sie?

00:20:10: Und sind sie sehr beliebt?

00:20:11: Die sind sehr beliebte aber eben auch bei uns!

00:20:14: Weil man immer wieder neue Versetten kennenlernt.

00:20:16: und logisch bei dreißig Laufkilometer, die wir zu betreuen haben ist das irgendwie logisch, aber trotzdem ist man doch immer wieder überrascht.

00:20:24: Ein besonderes Datum im jeden Jahr ist der erste Jänner für Sie.

00:20:31: Warum ist der erste Jänner so ein besonderes Datum?

00:20:33: Bestimmt.

00:20:34: Wir haben jetzt sehr viel über das Tiroler Landesarchiv und dem Lesesaal, also dass man vor Ort bei uns forschen kann.

00:20:42: aber wir sind natürlich auch bemüht zu digitalisieren.

00:20:45: Ein Digitalisierungsprojekt sind die Kirchenbücher.

00:20:49: Die Kirchen Bücher sind ja nicht im Tiroler Landesarchive aufbewahrt sondern in den jeweiligen Pfarr-Archiven.

00:20:55: Es hat eben ein Digitalisierungsprojekt gegeben und im Jahr zwei Tausend Fünfzehn haben wir diese Kirchenbücher online gestellt.

00:21:01: Es gibt es da einen Personenstandsgesetz, das bestimmt dass man die Daufbüchern, die müssen hundert Jahre alt sein bevor sie jetzt auch online stellen können.

00:21:11: Es ist natürlich jedes Jahr am ersten Jänner unsere Aufgabe.

00:21:15: heuer wird es so sein, dass wir in nineteen Hundert sechsundzwanzig die Daufbücher freistellen.

00:21:20: Das ist jetzt wirklich für alle Pfarrern händisch auch irgendwie schon digital, aber händig anzuklicken.

00:21:25: Und das ist für

00:21:26: viele Interessierte Tiroler ein ganz wichtiger Datum?

00:21:31: Die

00:21:31: warten schon!

00:21:32: Genau weil ab erstes Jahrzehnte da vielleicht bekannte Verwandte und so weiter erstmal offiziell auftauchen.

00:21:43: Genau es ist dann online einsehbar auch über die Weihnachtsfeiertage ich der Anrufe kriege.

00:21:50: Wann ist denn das schon so weit?

00:21:52: Die Pfarrer Absam ist schon online gestellt, aber die Pfarrepfaffen hoffen noch nicht!

00:21:56: Also es ist wirklich... Es ist auch eine Digitalisierungsprojekte, dass absolut erfolgreich ist.

00:22:01: Wir haben im Jahr über neun Millionen Zugriffen.

00:22:03: also es ist international wirklich eine sehr eurer erfolgreiche.

00:22:07: Ja,

00:22:07: es ist ja spannend weil man dann weiß okay jetzt was ist, jetzt kann ich's ausserfinden.

00:22:13: Genau.

00:22:14: Weil es eben auch historische Fristen gibt.

00:22:16: Also dieses Personenstandsgesetz, es gibt dann eben natürlich den Datenschutz und gewisse rechtliche Fristen an die wir uns halten müssen.

00:22:25: Und da ist eben der erste Jänner ganz erspannender Tag!

00:22:30: Das waren jetzt die Kirchenbücher.

00:22:32: aber es gibt auch viele Tiroler sich über die NS-Vergangenheit... interessieren und auch über ihre Angehörigen, was dort passiert ist.

00:22:42: Auch die Südtiroloptanten sind ein großes Thema.

00:22:45: da wird viel nachgefragt.

00:22:48: Da gibt es auch umfangreiches historisches Material in ihrem

00:22:51: Hause?

00:22:52: Ja genau!

00:22:53: Die NS-Zeit stimmt sicherlich.

00:22:55: das ist wirklich auch ein Thema dass viel bei uns angefragt wird ähnlich wie der Erste Weltkrieg.

00:23:00: einerseits die militärischen Personalakten die sich eben bei uns befinden.

00:23:05: Und das ist eben auch ein Bestand, wo wir festgestellt haben da wird viel nachgefragt.

00:23:09: Ist im Erhaltungszustand auf diesen industriellen Papier.

00:23:13: Und da haben wir dann eben auch eine Digitalisierung angestrebt und da ist uns die Universität Innsbruck.

00:23:19: War hier große Unterstützung, die einerseits hier eben genau wie Sie es richtig gesagt haben diese Optionsakten.

00:23:27: Da gibt es eine Kartei zu diesen Akten, das ist eine Namenskartei und das sind hundertdreien dreißig Kartons und die hat die Universitätsinnsbrucke ja auch in einem großen Projekt digitalisiert ausfindig machen und dann bei uns die Akten anfragen.

00:23:46: Und da ist wirklich ein großer Rand drauf, erstens weil man die Forschung online machen kann und diese Personenakten für die Familienforschung sehr interessant sind.

00:23:58: Beleuchten einfach mal die Zeit von diesen Obdenten, die nach Innsbruck gekommen sind.

00:24:03: Dann hier sich im Deutschen Reich niedergelassen haben sehr viel Persönliches und es sind oft eben auch Fotos dabei.

00:24:11: Und das macht es natürlich gerade für so Familienforscher doch sehr interessant weil man kann sicher selber sich das ausdenken.

00:24:20: Urgroßeltern fotografisch fest festmachen ist schon sehr schwierig, auch wenn man alte Fotos hat.

00:24:26: Aber man erkennt ja oft gar nicht mehr die Personen und man hat niemanden mehr den man fragen kann.

00:24:31: Und da sind natürlich solche Sachen sehr wertvoll.

00:24:33: Wir haben direkt Militärarchiv aber sie haben auch Nachlässe und auch Firmenarchive zum Beispiel das ganze Archiv der neuen Heimat

00:24:42: Genau, also alles was eben auch in diesem Verwaltungsbereich des Landes Tirolfalt da folgt jetzt zum Beispiel die neue Heimat hinein.

00:24:50: Da übernehmen wir natürlich solche Archive.

00:24:53: Wir haben auch teilweise Gemeinderchiefe übernommen wo die Gemeinden gesagt haben sie möchten uns die historischen Materialien lieber übergeben Und natürlich auch Privatarchive, wobei da muss ich auch dazu sagen wir sind natürlich ein Verwaltungsarchiv.

00:25:06: Aber private Dokumente können doch auch hier einen ganz anderen Blickwinkel draufbringen.

00:25:12: aber wir sind ja schon sehr bemüht.

00:25:14: Wir sind in Innsbruck nicht das einzige Archiv oder die einzelne Dokumentationsstelle.

00:25:19: Es gibt das Stadtarchiv Innsbrück es gibt das Landesmuseum und da schauen wir dann schon dass auch diese Bestände dann dorthin kommen wo sie gesucht

00:25:28: werden.

00:25:29: Was machen Sie?

00:25:31: wenn sie nicht gerade in alten Büchern lesen oder im Gedächtnis Tirols stöbern.

00:25:39: Ja, man braucht schon einen Ausgleich und der ist bei mir vor allem sportlich.

00:25:44: Es ist schon bei dreißig Laufkilometer die wir betreuen also wir legen da schon auch immer zu Fuß im Depot viel zurück.

00:25:51: aber ich gehe gern Rennrad fahren, ich gehe gerne langlaufen, Skitouren gehe sehr gerne.

00:25:56: Aber ich gehe ja auch sehr gerne ins Museum, ins Theater und Städte reisen Und lesen.

00:26:01: doch jetzt auch historische Romane gebe ich zu.

00:26:06: Wunderbar Frau Seindl, herzlichen Dank fürs Gespräch und vielen Dank für den Besuch im Studium.

00:26:11: Danke für die Einladung!

00:26:13: Das war ein Podcast des Landes Tirol mit Gertraud Zeindl, Leiterin des Tiroler Landesarchivs.

00:26:19: Zeindel ist promovierte Historikerin – ihr Lieblingsstück im Tirola-Landesarchiv ist eine prachtvolle Papsturkunde aus dem Mittelalter!

00:26:28: Viele Tirollerinnen und Tirolor warten jedes Jahr auf den ersten Jänner wenn dann historische Informationen über ihre Vorfahren öffentlich zugänglich werden.

00:26:38: Auch in ihrer Freizeit liest sie gerne bevorzugt natürlich historische Romane.

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